Plzeňské sympozia

Roman Prahl

Das Alter eines Künstlers: Der Fall Mikoláš Aleš

21–37 (tschechisch), Resumé S. 37–38 (deutsch)
Die Formung des Erscheinungsbildes des Malers Mikoláš Aleš (1852–1913) während seines Lebens und nach dessen Ende ist ein Beispiel für die Verwendung verschiedener Topoi des menschlichen Alters aus dem Gesichtspunkt der nationalen Gesellschaft und der künstlerischen Kommunität im Wandel der Meinungen der Zeit. Diese Topoi haben sich im Erfassen der älteren Kunst und auch als Kommentar zum zeitgenössischen künstlerischen Schaffen gebildet. Für die zeitgenössische Kunst war die wünschenswerte Vorstellung von einer „jungen Kunst“ bestimmend. Im tschechischen nationalen Milieu hat jedoch im Gegenteil lange Zeit der Stereotyp des reifenden Alters dominiert, der der Vorstellung des Kampfes und des Ringens entsprach. Das bezeugen auch die symbolhaften Selbstbildnisse Alešs aus verschiedenen Etappen seines Lebens (Abb. 3.a–b, 7.c). Die neue Beziehung zum „Alter“ und zur „Kindheit“ hat sich im tschechischen Milieu erst an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert herausgebildet, vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung des künstlerischen Individualismus und des Modernismus. Die frühen Modernisten aus der darauffolgenden künstlerischen Generation haben Aleš zur ihrem offiziellen Patron gewählt, obwohl sein Schaffen fürsie kein Vorbild mehr darstellte und auch ihre künstlerischen Auffassungen unterschiedlich waren. Die besten „Portrait-Hommagen“ an Aleš vom Ende seines Lebens betonen die „Unoffizialität“, die dem Künstler entsprochen habe (Abb. 6.b–c). Die „Hommagen durch die Karikatur“ erfassen die ambivalente Beziehung der Modernisten zu einer Autorität und zu einem „künstlerischen Vorgänger“ (Abb. 5.a–b).
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