Plzeňské sympozia

Marta Ottlová – Milan Pospíšil

Zum „exotischen“ Repertoire in der böhmischen Musik des 19. Jahrhunderts

339–352 (tschechisch), Resumé S. 352–353 (deutsch)
Der Exotismus-Begriff in der europäischen Musik des 19. Jahrhunderts nimmt sowohl Bezug auf Bühnenwerke, Vokal- und Programmmusik also auch auf die optischen Aspekte des Musiktheaters und die Verwendung von exotischem musikalischem Material. Als exotisch wurde bezeichnet, was außerhalb der Konventionen der europäischen Kunstmusik angesiedelt war. Bis ans Ende des 19. Jahrhunderts war dabei nicht die Herkunft und Authentizität der Exotismen entscheidend, sondern die Rezeption bestimmter Aspekte als exotisch. „Exotismus“ ist deshalb eher ein funktioneller als substantieller Begriff. Das gleiche musikalische Element konnte so einmal einem exotischen und ein andermal einem folkloristischen Ursprung zugeschrieben werden. Exotismen auf Ebene des musikalischen Materials, dessen böhmisches Repertoire sich nicht von den europäischen Stereotypen unterscheidet, wurden in der Oper vor allem als Lokalkolorit ästhetisch legitimiert. Exotismen tauchen in der böhmischen Oper eher sporadisch auf (Franz Škroup: Der Meergeuse und Columbus; Karel Bendl: Lejla und Černohorci – Die Montenegriner), weil ihre wichtigste Funktion noch am Ende des 19. Jahrhunderts in der Repräsentation des Nationalen gesehen wurde. Ein beliebtes Motiv im Grenzbereich zwischen Folklore und Exotik waren Zigeuner, verwendet vor allem als einfaches Mittel zur Belebung von Tanzszenen (z. B. bei Škroup in der Opern Columbus und Der Nachtschatten; außerdem z. B. in Smetanas Prodaná nevěsta – Die verkaufte Braut, und Šebors Nevěsta husitská – Die Hussitenbraut). Die Zigeuner-Exotik fand dank der Gedichte Adolf Heyduks auch in der Vokalmusik Niederschlag, so z. B. in den Liederzyklen von Bendl, Antonín Dvořák und Vítězslav Novák. Auch die Musik, die außerhalb der Oper im Theater Verwendung fand, bot viele Möglichkeiten: in Zauber- und Ausstattungsstücken mit Motiven aus Märchen und Reiseromanen sowie phantastischen Romanen, Ballettpantomimen und Farcen mit Handlungen aus verschiedensten Milieus. Ein besonders willkommenes Mittel für bunte Spektakel aus fernen, geheimnisvollen Gegenden waren Tanzrevuen mit Tänzen, die verschiedenste Völker und Länder charakterisieren sollten. Exotismen fanden auch Eingang in die einfachen musikalischen Strukturen wenig anspruchsvoller Salonmusik, in Märsche, Tänze und in als souvenirs bezeichnete Kompositionen auf nähere und fernere Länder und Städte.
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