Plzeňské sympozia

Bronislav Losenický

Visuelle Idylle - weiche Droge oder schwaches Sedativum? (Wandlung der Mittel der visuellen Idylle in der Kultur des 19. Jahrhundert

S. 115–121 (tschechisch), Resumé S. 121 (deutsch)
In der bildenden Kunst kennzeichnete die Idylle nicht nur das konfliktlose Thema, sondern auch liebliche und niedliche visuelle Form. Ihre Wirkung auf die Sinne ist so vergleichbar mit dem Wirken der weichen Droge, die beruhigt, jedoch nicht lehmt. Das Idyllische in der bildenden Kunst ist ein Zug des Werkes und durchdringt die Stile, dabei kann das Werk von hohem sowie niederem Werte sein. Beweis dafür liefen eine Reihe von Bildern des 19. Jahrhunderts. Für die Landschaftsmalereie und Radierungen sowie figuralen Szenen am Anfang des 19. Jahrhunderts ist das bukolische Thema bei uns typisch. In den Naturmotiven überwiegt der Naturalismus und im Portrait idealisierte Eleganz. Diese Züge setzen sich dann vor allem in der Porzellan- und Glasmalerei von Miniaturen in der Zeit des Biedermeiers durch. Überwunden wird die anekdotische Form des Genres durch erhöhte Robustheit der Gestaltung und betonte Exotik im Romantismus, in der Hälfte des Jahrhunderts setzt sich als Inspiration die Renaissance durch, besonders in idyllischen Allegorien. In dem Vorjugendstilschaffen gewinnt das idyllische Genre einen Salonakzent. Die Konkurrenz mit der Initimität der Fotografie verschiebt das Wirkungsfeld der Idylle zur regionalen Genreethnographie. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf die Natur, diesmal in Idyllen des ,Jagd´genres mit Elementen der Verspieltheit, und zu Szenen volkstümlicher Art als Wiedergabe der Bühnenidylle. Diese Art visueller Idylle wird massenhaft auf Porzellan und in Zeitschriften verbreitet, wo auch die Kinder- und Märchenidylle publiziert wird. Das Portrait findet dann Verbreitung in Form von Scherenschnittenprofils. Die Fotografie liquidiert dabei die gemalten Poitraitminiaturen. In der Naturmalerei wird zum Feind des Idyllischen das realistische Panorama der Landschaft. In neuromantischen Naturwinkeln und detailierten Vegetationsmotiven, die auch als Porzellanmalerei Verbreitung finden, lebt es jedoch weiter. Die betonte Intimität der Interriereinrichtung bildet ein idyllisches bis kitschiges Gegengewicht zu der sich entwickelten technischen Zivilisation. Ähnlich weicht bis an die Grenze des Kitsches vor dem lauten Experiment der Moderne die "hohe" Kunst der Gemäldemalerei. Der Großteil der visuellen Idylle am Ende des Jahrhunderts siedelt sich in der Gebrauchskunst mit ihren auf die Massen gerichteten Dimensionen an und antizipiert so die „Produktion idyllischer Erlebnisse in der Industrie der Unterhaltungskultur im 20. Jahrhundert". Er übernimmt so den Schutz der menschlichen Psychik vor der Überflutung durch Veränderungen. Die Parallele mit der weichen Drogen verändert sich so in eine Art Therapie, die zum Ausgleich der enormen Stimulation des Menschen führt, einerseits durch den unterhaltend spielerischen Charakter der Idylle, anderseits durch Rehabilitierung idyllischer, früher von der Moderne in der "hohen" Kunst eliminierten Elemente, wobei der Höhepunkt am Ende des 20. Jahrhunderts erreicht wird.
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