Plzeňské sympozia

Milan Hlavačka

Noch einmal: die Wallfahrt der Slawen nach Rußland im Jahre 1867

38–54 (tschechisch), Resumé S. 54–55 (deutsch)
Diese Erinnerung an die „Wallfahrt der Slawen nach Rußland" im Jahre 1867 ist aufgrund einer bis heute nicht ausgewerteten Quelle aus dem Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Bestand „Informationsbüro des Außemninisteriums", 4, 1868, Faszikel 366 mit der Überschrift Wallfahrt der Slawen nach Rußland 1867 entstanden. Es handelt sich dabei um eine vollständige Zusammenfassung aller Akten, vertraulichen Berichte und Pressestimmen, die die österreichische Polizei in der Zeit von Ende März bis Anfang Juli 1867 gesammelt hat. In der vorliegenden Arbeit wird eine kurze Charakteristik des Inhalts dieses Materials, eine Analyse des Verzeichnisses der slawischen „Wallfahrer" und der polizeilichen Informationsquellen, die polizeiliche Bewertung der politischen Bedeutung bzw. der „Gefährlichkeit" der einzelnen Teilnehmer gebracht und schließlich widmet sich der Autor den so genannten polizeilichen „Chimären", denen mit Gründlichkeit nachgegangen wurde, obwohl es sich eindeutig um falsche Informationen handelte. Der Autor ist der Meinung, daß durch diese Reise im Jahre 1867 die potentielle Rolle Rußlands von einer Chimäre in ein reales politisches Argument verwandelt wurde. Der bis zu dieser Zeit nur schemenhafte panslawistische Gedanke wurde durch diese Reise zum ersten Mal konkretisiert und verwandelte sich in eine russisch-tschechische, russisch-serbische, russisch-montenegrinische usw. Wechselbeziehung. Dieser Gedanke wurde zu einer lebendigen, zweckdienlichen politischen (vielleicht auch außenpolitischen) Konstruktion bzw. Variante, die in einer politisch geeigneten Situation alle zentrifugalen Prozesse in der Habsburger Monarchie äußerst beschleunigen konnte. Als ein konkretes, obwohl nur bescheidenes Ergebnis der Fahrt nach Rußland kann man die Tatsache ansehen, daß die Tschechen aus Sankt Petersburg doch ein inoffizielles Versprechen mitgebracht haben, daß es das große slawische Rußland im Falle der Auflösung der Habsburger Monarchie nicht zulassen werde, daß Böhmen und Mähren von Preußen annektiert würden. Die „russische Karte" wurde im Jahre 1867 zum ersten Mal zur Unterstützung der Forderungen nach einem tschechischen historischen Staatsrecht verwendet und somit auch zur Befestigung der tschechischen Politik inmitten des dualistischen Rei¬ches. Nach der „Wallfahrt" nach RufSland war der „Panslawismus" bzw. das unbestimmte Schwärmen für Rußland, also das „Slawisieren", nicht mehr eine Sache der einzelnen Menschen, sondern bekam zum ersten Mal eine breitere Basis.
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