Plzeňské sympozia

Jan Mergl

Die Glasunternehmer in Böhmen des 19. Jahrhunderts - wie sich ein Graf, ein Ritter, ein päpstlicher Kämmerer und ein Freiherr ums böhmische Glas vedient gemacht haben

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Die Glasherstellung in Böhmen war im 19. Jahrhundert mehr denn je mit dem Wirken von Persönlichkeiten, welche diesen Industriezweig nicht nur im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch, was das künstlerisch- gewerbliche Niveau angeht, in bedeutender Weise beeinflusst haben, verbunden. Aus einer ganzen Reihe von Namen wählen und verfolgen wir vier Persönlichkeiten, anhand deren unternehmerischer Tätigkeit sich verschiedene Vorgehensweisen, die zu einem einzigen Ziel – nämlich zur Entwicklung und Bereicherung der künstlerischen Gestaltung vom böhmischen Glas – im Verlauf des gesamten 19. Jahrhunderts geführt haben, aufzeigen lassen. Georg Franz August de Lonqueval, Graf von Buquoy (1781-1877), seit 1803 Eigentümer von fünf Glashütten im Gebiet um Nové Hrady /Gratzen/, ein hervorragender Ökonom und Naturwissenschaftler, erwarb sich 1816 Verdienste um die Entdeckung von einem neuen, dem Spätempirestil voll entgegenkommenden Glas - dem Hyalit. Eine bahnbrecherische Leistung auch im Hinblick auf die Entwicklung der farbigen Glassorten der Biedermeierzeit. Wilhelm Kralik, Ritter von Meyrswalden (1806-1877), verdankte seinen verwandschaftlichen Beziehungen zu den Wiener Glashändlern, der Firma J.& L. Lobmeyr, die Gelegenheit, in seiner Glashütte Meyrs Neffe in Adolfov /?/ bei Vimperk /Winterberg/ zahlreiche Entwürfe der Protagonisten der Wiener Neo-Renaissance zu realisieren. Josef Riedel (1816-1894), der „Glaskönig vom Isergebirge“ ist das Lesebuchbeispiel eines Fabrikunternehmers, der wenigstens einen Teil seiner vielseitigen Produktion gezielt auf das der damaligen Vorliebe für historisierende und orientalisierende Tendenzen huldigende dekorative Glas ausgerichtet hatte. Max Freiherr von Spaun (1856-1909) brachte die Glashütte Johann Lötz Witwe in Klášterský Mlýn /?/ zum Weltruhm. Mit seinem „Phänomen“ benannten Jugenstilglas, dessen unnachahmliches Erscheinungsbild als ein Ergebnis von Spauns zielstrebigem und vorausschauendem Interesse am zeitgenössischen Kunstgewerbe angesehen werden kann, gipfelte die künstlerische Entwicklung vom böhmischen Glas des 19. Jahrhunderts.
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