Plzeňské sympozia

Daniela Tinková

Mephitische Körper: Der Exodus der Toten aus der Welt der Lebenden an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert

73–82 (tschechisch), Resumé S. 82 (deutsch)
Die Studie befasst sich mit der Veränderung der Haltung zu einem toten Körper in der Epoche der Aufklärung, und zwar im Zusammenhang mit den neuen Kenntnissen über die Physiologie des menschlichen Körpers wie auch im Zusammenhang mit der die Hygiene betreffenden Einstellung der gebildeten Eliten, die den Körper eines Verstorbenen als einen unerwünschten, die Lebenden gefährdenden Gegenstand ansahen. An der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert wurde eine genauere Grenze zwischen lebendigen und toten Körpern, zwischen der Welt der Lebenden und der Toten und zwischen den „gewöhnlichen“ Toten und den sozusagen „gefährlichen“, „epidemischen“ Körpern gezogen. Trotz der aufklärerischen Versuche einen toten Leib faktisch als eine schädliche „Seuche“ zu verstehen, ist es offensichtlich, dass sich im nachfolgenden 19. Jahrhundert die gefühlsmäßige Bindung an die sterblichen Überreste nicht nur der verstorbenen „großen Männer“ (und „großen Frauen“) sondern auch zu denen (und deren letzte Ruhestätten) der geliebten nahen Personen verstärkt hat. Diese Veränderung der Sensibilität war bereits in der Zeit der Einführung der josephinischen Begräbnisvorschriften bemerkbar, da diese einen mehr oder weniger offenen Widerstand der Bevölkerung hervorgerufen haben.
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