Milan Pospíšil

Die Institution der Primadonna in der tschechischen Oper

S. 223–234 (tschechisch), 236–237 (deutsch)

Am Beispiel von drei Sängerinnen wird die Aufgabe einer Primadonna - der Ersten Solistin eines Opernensembles und Darstellerin von Hauptrollen - an jenen Prager Theatern des 19. Jahrhunderts, an denen auf Tschechisch gesungen wurde, behandelt. Bereits bei der Erstaufführung von Joseph Weigls Die Schweizerfamilie (1823), die beweisen sollte, dass die tschechische Sprache für den Operngesang geeignet sei, wurde auch eine Primadonna geboren, eine wichtige Voraussetzung für den vollwertigen künstlerischen und gesellschaftlichen Status einer tschechischen Oper. Dies geschah dank dem Mitwirken von Kateřina Kometová-Podhorská (Katharina Comet-Podhorsky, 1807-1889), einer Solistin damals am Beginn ihrer Karriere, die sich zu einer der besten Kräfte der Prager Oper entwickelt hat. Bereits ihre ersten Auftritte in den tschechischsprachigen Vorstellungen waren von den üblichen Manifestationen des Primadonnakults, wie den Beifallsstürmen des Publikums und Veröffentlichungen von Huldigungsgedichten, begleitet. Als Primadonna hat sie das Prager Publikum einmal für immer gewonnen, obwohl die damaligen Verträge am Ständetheater lediglich das grundlegende Fach einer Sängerin der deutschen und tschechischen Vorstellungen festgelegt haben. Eine ähnliche Position als Bürgschaft für die Qualität der Opernvorstellungen hat in den 1860er Jahren am Interimstheater Eleonora z Ehrenbergů (Eleonore von Ehrenberg, 1832-1912) eingenommen. Eine Sängerin mit Erfahrungen aus deutschen Theatern, nahm sie im tschechischen Opernensemble des Interims- und später Nationaltheaters eine dauerhafte Position als hervorragende und unentbehrliche Interpretin der koloraturen Sopranrollen ein. Ihre Stellung als Erste Koloratursängerin des tschechischen Opernensembles und die dauerhafte Gunst des Publikums hat sie behauptet, obwohl sie als Freundin des Dirigenten und Theaterdirektors Jan Nepomuk Maýr in Streitigkeiten um die Leitung der tschechischen Oper zwischen ihm und Bedřich Smetana und den Lagern von deren Anhängern verwickelt war. Die Primadonna der dritten Generation, Marie Sittová (1852-1907), war an das tschechische Theater zuerst für das dramatische Fach engagiert worden. Im Verlauf ihrer stimmlichen Entwicklung ging sie in das Koloraturfach über, das sie nach dem Abschied von Eleonora z Ehrenbergů völlig übernahm. Nur einmal ist sie mit einem Teil der Öffentlichkeit und der Presse in Konflikt geraten, als sie es abgelehnt hat, in Smetanas Oper Der Kuss zu singen. Es war ihr Protest gegen die Direktion, die in der ganzen Saison 1877 der englischen Sängerin Emilie Chiomi ein Gastspiel ermöglicht hat. Damit hat Sittová die Gelegenheit verloren, öfter zu singen und sich mit Chiomi in den großen Rollen des Weltrepertoires zu messen. Ihre Privilegien in den späteren Verträgen beweisen ihre unerschütterliche Stellung und das außerordentliche Interesse der Direktion, sie für das tschechischen Theater zu erhalten. Alle drei Sängerinnen wurden zu Primadonnen der tschechischen Oper aufgrund ihrer persönlichen Entscheidung. Obwohl sie die bestbezahlten Kräfte waren, wären ihre Gagen an deutschen Theatern bedeutend höher gewesen. Für das Prager tschechische Operntheater waren sie in jeder Beziehung unentbehrlich und lebenswichtig.

Schlüsselworte: Kateřina Kometová-Podhorská (Katharina Comet-Podhorsky) – Eleonora z Ehrenbergů (Eleonore von Ehrenberg) – Marie Sittová – Primadonna – tschechische Oper im 19. Jahrhundert – Prager Theater

 

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