Plzeňské sympozia

Marie Macková

Lumpenball – ein Ball ohne tschechischen Name

S. 363–370 (tschechisch), Resümee S. 371 (deutsch)

Eine besondere Art der Tanzunterhaltung im 19. Jahrhundert waren Kostümbälle. Wie viele andere, waren auch diese oft Wohltätigkeitsveranstaltungen. Der Lumpenball ist im Wiener Vorort Neulerchenfeld entstanden. Sein ursprünglicher Zweck war es, arme Schulkinder aus den Wiener Vororten zu unterstützen. Während der zwanzig Jahre seines Bestehens stieg der Ertrag so stark an, dass es nicht nur möglich war, diesen Kindern ein Mittagessen zu bieten, sondern auch ihre Sommeraufenthalte in der Natur und für eine Gruppe von Patienten mit Tuberkulose auch Kuraufenthalte am Meer zu organisieren. Die speziellen Lumpenkostüme, die auf die niedrige Schicht der Gesellschaft hinwiesen, haben es ermöglicht, begleitende Satire und Humor aller Art zu entwickeln. Diese ursprüngliche Serie von Lumpenbällen endete nach zwanzig Jahren, 1892. Danach fand zwar alljährlich ein Ball eines ähnlichen Typs unter dem gleichen Namen statt, der jedoch bereits andere Veranstalter hatte. Sein gemeinnütziges Niveau verschwand vollständig und er verwandelte sich in etwas ungezügelte Unterhaltung. Die Popularität dieser Art von Ball hielt bis zum Ersten Weltkrieg an. In den böhmischen Ländern trat er gegen Ende der 1880er Jahre allmählich im deutschsprachigen Kulturkreis auf. Eine bedeutende gemeinnützige Ebene war nicht mit ihm verbunden, und ein tschechischer Name wurde nicht einmal von Journalisten für ihn geschaffen.

Schlüsselwörter:  Lumpenball – Maskenball – Karitas – Wien-Neulerchenfeld

 

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