Plzeňské sympozia

Vojtěch Pojar

Die eugenische Bedeutung des Sokol-Turnens, 1910–1930

S. 188–197 (tschechisch), Resümee S. 199 (deutsch)

Die Eugenik wollte die Faktoren untersuchen, die den Körper des Einzelnen und des Kollektivs kultivieren. In Mitteleuropa haben die ersten Eugeniker dabei große Hoffnungen auf den Sokol gelegt. Die Studie folgt ihren Strategien vor und nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie in einer vergleichenden Perspektive am Beispiel von Eugenikern, die mit dem akademischen Milieu in Prag, Laibach/Ljubljana und Klausenburg/Cluj in Verbindung standen. Für Karel Weigner und andere tschechische Eugeniker wurde die hiesige starke Sokol-Organisation zu einem Instrument zur Propagierung ihrer Lehren. Darüber hinaus sollte der Sokol einige eugenische Prinzipien einführen. Im slowenischen Umfeld waren die Hoffnungen der Eugeniker auf den Sokol noch größer. Laut dem Autor der frühesten eugenischen Texte in slowenischer Sprache, Franc Derganc, sollte der lokale Sokol in eine eugenische Organisation umgewandelt werden und in ihrem Zentrum eine neue, defensive, slawische Eugenik entstehen lassen. Der Anthropologe Božo Škerlj führte anthropologische Messungen an Turnerinnen durch, die als empirische Grundlage für seine eugenischen Empfehlungen dienten. Während die tschechischen und slowenischen Eugeniker versuchten, die bereits bestehende Sokol-Organisation an die eugenischen Bedürfnisse anzupassen, war die Situation in Siebenbürgen eine andere. Es war die dortige eugenische Gesellschaft, die hinter der Gründung der Organisation Karpaten-Sokol stand. Neben der Eugenik, die alle Aktivitäten der Organisation durchdringen sollte, war sie auch mit dem rumänischen Nationalismus, dem Agrarismus und den regionalen Interessen der siebenbürgischen Rumänen verbunden. Ein Vergleich zwischen drei erforschten Fällen legt nahe, dass das Ausmaß, in dem die Eugeniker versuchten, den Sokol zu transformieren und ihm eine eugenische Rolle zuzuweisen, in diesem Zusammenhang in keinem Verhältnis zur Stärke und Tradition der Sokol-Organisation stand. Die Analogien zwischen den drei untersuchten Fällen sind das Ergebnis von Transfers innerhalb der Habsburgermonarchie und zwischen ihren Nachfolgestaaten. Das Studium der Eugenik, das sich auf einzelne nationale Fälle konzentrierte, muss daher durch die Erforschung dieser transnationalen Zusammenhänge ergänzt werden.

Schlüsselwörter:  Schlüsselwörte: Eugenik – Sokol – Laibach – slowenischer Sokol – Klausenburg – Karpaten-Sokol – Karel Weigner – Franc Derganc – Božo Škerlj – Iuliu Moldovan – Nationalismus 

 

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