Plzeňské sympozia

Milan Ducháček

Aus der Sommer frische in die Arbeiterkantine. Die Pragmatisierung der Ruhezeit der "geistigen Arbeiter" von Jaroslav Goll zu Aleš Hrdlička

S. 42–58 (tschechisch), Resümee S. 59–60 (deutsch)

Der Beitrag ist der Veränderung der Freizeitaktivitäten der tschechischen akademischen Intelligenz am Ende des 19. Jahrhunderts gewidmet. Er beansprucht nicht, maßgebliche Thesen vorzulegen, sondern versucht lediglich, Symptome der Änderungen des Freizeitkonzepts anhand einer die Ergebnisse mehrerer tschechischer Kulturwissenschaftler betreffenden Stichprobe zu erfassen. Von der traditionelleren Vermischung der Arbeit mit der Lebensweise dolce far niente (Jaroslav Goll, Josef Pekař) ausgehend, wird ein Übergang zu den Zeichen der Technologisierung (Lubor Niederle) und der systematischen Rationalisierung der Freizeitaktivitäten nach angelsächsischem, insbesondere amerikanischem Vorbild (Aleš Hrdlička) aufgezeigt. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Idee der Freizeit der Wissenschaftler und Geistesarbeiter von den üblichen Vorstellungen über die Arbeit und den Müßiggang des gebildeten und gut situierten, als Teil der „faulen Klasse“ angesehenen Bürgertums in Cisleithanien hergeleitet. Geistige Arbeit und Freizeit vermischten sich miteinander und waren oft nicht zu unterscheiden. Am Ende des Jahrhunderts hat sich jedoch bereits der Beginn der „Amerikanisierung“ und der Pragmatisierung des Tagesplans angekündigt. Aufgrund den Erinnerungen des Ethnographen Karl Chotek, der 1919 den amerikanischen Tschechen Aleš Hrdlička an der Smithsonian Institution in Washington DC besuchte und dort einen kurzen Studienaufenthalt absolvierte, kann man sich ein Bild vom Tagesablauf des in Humpolec geborenen Hrdlička machen, der sich von der Lohnarbeit zur einflussreichen Forschungsstelle an einer renommierten wissenschaftlichen Einrichtung emporgearbeitet hat. Hrdličkas Arbeitsrhythmus war bei seinen Expeditionen im Terrain und in seinem Arbeitszimmer erheblich unterschiedlich, einschließlich der Einbeziehung von mäßigem Essen und normaler Bewegung in den Arbeitsplan, und kann als Beispiel für eine überraschend systematische Trennung von Arbeitszeit und Zeit für geistige Ruhe dienen. In der Zwischenkriegszeit wurde die Frage nach einer zweckmäßigen Freizeitgestaltung und Rationalisierung der Arbeitszeit im „Geiste Hrdličkas“ nicht nur Inspiration und Vorbild für seine Schüler, sondern auch ein Thema für die Soziologen, zum Beispiel Innocent Arnošt Bláha, als ein effektives Modell für den Lebensstil der „Intelligenz“.

Schlüsselwörte: Freizeit – Geistesgeschichte – Anthropologie – Jaroslav Goll – Aleš Hrdlička – Lubor Niederle

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