Plzeňské sympozia

Marie Rakušanová

Scharfe Kanten des Lichts und Schattens. Die Polemik von Bohumil Kubišta mit dem Kubismus

S. 251–260 (tschechisch), Resümee S. 261–62 (deutsch)

Der Maler Bohumil Kubišta (1884-1918) wurde dank einiger seiner Werke einer der wichtigsten Repräsentanten des spezifisch tschechischen Kubismus. Diesem wird allgemein zugeschrieben, dass er im Unterschied zum Kubismus von Picasso und Braque mehr die symbolische Bedeutung akzentuiert und durch die kubierenden Formen den Ausdruck exaltiert. Falls wir jedoch die Mittel des tschechischen Kubismus ausschließlich mit der vermittelnden Funktion der Expression verbinden, dann wird Kubišta in den breiteren Strom des geometrisierenden Stils eingegliedert, der nach 1910 das ganze Europa ergriffen hat, wobei jedoch nach der Meinung mehrerer Kunsthistoriker sein Schaffen, an dem Kubismus von Picasso und Braque gemessen, minderwertig bleibt, weil er nicht versucht habe, die Bedingungen einer Bildrepräsentation zu analysieren, sondern lediglich modische Formen auf ein altes Narrativ zu applizieren. Der Beitrag versucht aufgrund der Analyse von selten interpretierten Werken Kubištas zu belegen, dass das Problem der modernen Repräsentation der Realität auch in Böhmen gelöst wurde, und zwar nicht nur mit Hilfe der von Picasso und Braque übernommenen Instrumente. Die Stillleben von Kubišta aus den Jahren 1912 und 1913 zeigen, dass man sein Schaffen nicht nur mit einer narrativen Kubisierung verbinden kann und sie im Bezug auf das Werk von Picasso und Braque jedoch ein paradoxer Kubismus bleiben werden. Sie schaffen ihr eigenes geometrisches und
Konstruktionssystem, das zu ihrem „dekonstruktiven" Kubismus wie auch zur Kubisierung anderer europäischen Künstler alternativ bleibt. Falls Kubišta doch einige Elemente des Schaffens von Braque und Picasso verwendet, tut er das in der Weise eines umstürzlerischen Kritizismus, er lehnt die Ansprüche ihres Kubismus an die transzendierende Totalität skeptisch ab. Eine Möglichkeit, dass das Vortäuschen dieser Transzendenz bewusst sein kann, war Kubišta, ein seriöser Sucher neuer Repräsentation, nicht fähig zu akzeptieren. Seine Kompetenz, eine kompromisslose Stellungnahme in seinen Werken auf ähnliche Weise auszudrücken, hängt zweifellos mit der Verankerung seines Kunstsinnes und Intellektualismus in der mitteleuropäischen kulturellen und wissenschaftlichen Tradition zusammen. Der Kubismus Kubištas, falls es sich überhaupt um Kubismus handelt, ist keine Ableitung des französischen Vorbildes, er will mit ihm nicht verglichen werden, er polemisiert vielmehr gegen ihn.

Schlüsselwörter: Bohumil Kubišta - Kubismus - moderne Bildrepräsentation -
Licht - Schatten - Transparenz

 

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