Plzeňské sympozia

Jiří Kopecký

Ein manipulierter und ein manipulierender alter Musiker

50–61 (tschechisch), Resumé S. 61–62 (deutsch)
Im 20. Jahrhundert, das als das „Jahrhundert des Kindes“ begonnen und als das„Jahrhundert des Alters“ geendet hat, ist das Vermächtnis der vorangegangenen Zeit deutlich umgeformt worden, und auch die Werte des 18. Jahrhunderts (Erfahrung, Bildung, feiner Geschmack, Schaffen im Auftrag und fürdie Gegenwart) sind neuen Auffassungen (der „rohe“ Genius, die Intuition, derBlick in die Zukunft ebenso wie in die Vergangenheit, der Dienst an einem Ideal, das Bemühen, sich von den Mechanismen des Marktes zu befreien) gewichen. Die Wertschätzung der frühzeitig verstorbenen Romantiker mit Bellini und Donizetti an der Spitze (ohne Schubert oder Chopin auszunehmen) wurde allmählich für eine dekadente Erscheinung gehalten und die Komponisten reifen Alters – neben der zentralen Erscheinung von Ludwig van Beethoven – Verdi, Wagner, in den böhmischen Ländern Dvořák, sind zu richtungsweisenden Autoritäten geworden. Vor allem im Milieu des heranwachsenden Nationalismus ist es gelungen, unermüdliche Arbeitsaktivität alsein zwingendes Merkmal zu betrachten, das die Relevanz überpersönlicher Gedanken bekräftigen und das Interesse von seiten der Umwelt auch als Mittel zur Manipulierung der Welt überhaupt einsetzen konnte. Die Einführung der Autorenrechte hat zur „Verlängerung“ des Lebens eines Werkes bzw. des Namens seines Komponisten gedient. Der wachsende Einfluss der Massenmedien auf das Leben der Musiker hat deren Verhalten bestimmt, weil sie sich dessen bewusst waren, dass ihr Ruf und ihre spezifische „Handelsmarke“für den Absatz ihres Werkes wesentlich waren. Die auf diese Weise entstandene Aura hat zwar zum Rückzug aus der Öffentlichkeit geführt (Beethoven, Brahms, Dvořák), oder, im Gegenteil, zum nicht weniger seltsamen Verfallen in einen Kult der Jugend und Unsterblichkeit (Janček), hat jedoch um den Künstler zugleich eine Art Schutzmauer errichtet, die ihm jene schöpferische Freiheit ermöglicht hat (von der aus auch die scheinbar unverständlichen Stiländerungen in seinen späteren Werke zu erklären sind).
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